Waldzustandsbericht Saarland 2017

NABU Saarland fordert ein entschiedenes Handeln der Politik und Gesellschaft zur Rettung unserer Wälder.

Der heute vom Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz vorgestellte 33. Waldzustandsbericht für das Saarland, passender wäre wohl die frühere Bezeichnung „Waldschadensbericht“, macht deutlich, dass leider nur noch 30 Prozent aller Waldbäume im Saarland gesund bzw. ohne erkennbare Schäden sind. Die drei Hauptursachen lassen sich klar identifizieren und sind allesamt von uns Menschen selbst verursacht. Folglich kann auch nur auf politischem Wege oder durch persönliche Verhaltensänderung gegengesteuert werden.

„Der unverminderte Eintrag von Stickstoffverbindungen aus der Verbrennung fossiler Energien (Industrie, Energie und Verkehr) sowie aus der intensiven Landwirtschaft ist ein Grund, warum es dem deutschen Wald zunehmend schlecht geht. Hinzu kommt die hohe Säure- und Schadstoffbelastung aus Lufteinträgen der letzten 150 Jahre, die sich nur ganz langsam abbauen“, nennt der NABU-Landesvorsitzende Ulrich Heintz einen Grund für die alarmierende Prognose der Gesundheit des wichtigsten Ökosystems in Deutschland.

Der stetig voranschreitende Klimawandel sorgt zudem immer häufiger für Wetterextreme. So führen Sturmereignisse zu vermehrtem Bruch, trockene Sommer zu Dürreschäden, wärmere Winter zu stärkerem Schädlingsbefall und längere Vegetationsperioden zu größerem Mineralstoffverbrauch. Alles zusammen bedingt eine wesentlich höhere Instabilität des Ökosystems und kann sogar den Ausfall ganzer Baumarten bedeuten.

Der viel zu hohe Schalenwildbestand ist schließlich die dritte Ursache für den derzeitigen Zustand des Waldes im Saarland, denn der Verbiss durch Rehwild und Wildschweine begünstigt nachweislich die Entmischung der biologischen Vielfalt und kann ebenfalls zum Ausfall ganzer Strauch- und Baumarten führen. Hier fordert der NABU dringend eine systematische Erhebung!

„Alle drei Probleme beinhalten jedoch gleichzeitig auch Lösungsansätze“, erklärt Heintz weiter. „So kann durch eine intelligente Energie- und Verkehrswende gleichzeitig die Reduzierung der Treibhausgase und Stickstoffemissionen erreicht werden. Auch eine Umstellung der Landwirtschaft auf eine naturverträgliche Produktion, aber auch unser Verbrauchsverhalten im Hinblick auf Fleischkonsum würde sich positiv auf den Waldzustand auswirken.“

„Des Weiteren sieht der NABU Saarland als Notmaßnahme eine Verbesserungschance durch Kompensationskalkungen auf allen erforderlichen Waldflächen, um eine spätere Bodenregeneration zu ermöglichen“, so der NABU-Waldreferent Helmut Harth. „ Ebenso sollten möglichst viele Nährstoffe im Waldboden belassen werden. Auch eine substanzielle Umorganisation der Jagd könnte Erfolge beim Management des Schalenwildes bedeuten. Bei der anstehenden Aktualisierung der sog. Forsteinrichtung ist deshalb eine möglichst hohe Inventurqualität auf Bestandsebene unerlässlich, um in der Waldbewirtschaftung und Holzernte auch in Zukunft adäquat auf die vielfältigen Herausforderungen reagieren zu können.“

Für Rückfragen:
Helmut Harth,  Leiter BBV-Projekt „Wertvoller Wald“,
Tel. +49 (0)6806 850338