Klima-Änderungen im Saarland

Globale Erwärmung und die Auswirkungen auf das Saarland

Sie gehört zu den am häufigsten diskutierten Themen jüngster Zeit - die globale Erwärmung. Im Rahmen des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) werden für Europa höhere Temperaturen, steigende Niederschläge in den Wintermonaten und höhere Wahrscheinlichkeiten für sommerliche Dürreperioden prognostiziert. Die Auswirkungen werden zumeist in großen Maßstäben beschrieben. Doch inwieweit ist die Erwärmung auch in kleinen Regionen wie dem Saarland spürbar? Matthias Rupp, Student der Geographie im achten Semester in Heidelberg, ging während seines Praktikums beim NABU Saarland dieser Frage nach.

Kurzfassung Datengrundlage der Untersuchung

Um stichhaltige Aussagen über eine mögliche Veränderung des Klimas treffen zu können, müssen möglichst viele Indikatoren herangezogen werden. Hierzu gehören die Temperatur, die Niederschläge und die Phänologie (Blütezeit der Pflanzen). Mit Hilfe von Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) konnte ein Überblick über die Entwicklung dieser Indikatoren gewonnen werden.

Analyse der Temperaturverlaufs

Die Abbildungen geben Aufschluss über Temperaturverlauf und Jahresniederschlagssummen in Ensheim zwischen 1951 und 2007. Die Entwicklung ist eindeutig: die Anzahl durchschnittlich kühlerer Jahre nimmt seit den späten 80er Jahren kontinuierlich ab. Der Mittelwert des Bezugsraumes 1951 bis 1990 beträgt 8,9 °C. Fünf der zehn wärmsten Jahre im Beobachtungszeitraum fallen in das 21. Jahrhundert, drei weitere in die 90er Jahre. Die Spannweite der Abweichung vom langjährigen Mittel liegt zwischen 1,0 und 1,5 °C. Ingesamt ist die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten heißer Tage und die Abnahme kalter Tage zu allen Jahreszeiten größer geworden. Dabei ist der süddeutsche Raum hinsichtlich des bundesweiten Durchschnitts sogar überdurchschnittlich betroffen. Der stärkste Trend der Erwärmung ist seit den 90er Jahren zu beobachten.

Im Sommer trocken? Die Winter nass?

Abgesehen von der Temperatur müssen auch die Niederschlagsverhältnisse betrachtet werden. In Folge der Erwärmung wird mit einer Zunahme der Niederschläge im Winter und mit einer Abnahme in den Sommermonaten gerechnet. Diese Niederschlags-Hypothese wird für Ensheim in den letzten 60 Jahren nur teilweise bestätigt. Die Zunahme der Niederschläge im Winter kann weitgehend belegt werden. Im Sommer ist diese Entwicklung jedoch nicht eindeutig, da die Werte stark schwanken. Als Folge der Erwärmung werden zunehmend kurzzeitige und heftige Niederschläge erwartet. Die Datenlage lässt derartige Schlüsse jedoch nicht zu. Eindeutig ist ein Anstieg der jährlichen Niederschlagssummen innerhalb der letzten 60 Jahre.

Wärmeliebende Arten die Sieger?

Ein weiterer Indikator für eine klimatische Veränderung liegt in der Bio-sphäre (jener Aus-schnitt der Erdoberfläche, der von Organismen belebt und bewohnt wird), da eine Veränderung der Durchschnittstemperatur auch eine Veränderung der saisonalen Vegetationsperioden bedingt. Nimmt die Temperatur zu, verlängert sich in der Regel auch die Vegetationsperiode. Die Apfel- und Haselblüte bestätigen einen früher einsetzenden Blütenbeginn. Die Ergebnisse von Apfel und Hasel weisen für die letzten 30 bis 40 Jahre (je nach Datenverfügbarkeit) mit einer Spannweite des früheren Blütenbeginns von einigen Tagen bis hin zu wenigen Wochen Schwankungen auf, die über eine geringfügige Abweichung teilweise hinausgehen. Es ist davon auszugehen, dass dieser Trend eher stärker als schwächer werden wird. Dies hat weitreichende Folgen für die Artenvielfalt. Vermutlich werden sich auf Grund wärmerer und trockenerer Sommer besonders wärmeliebende und anspruchslosere Pflanzenarten durchsetzen.

Mediterranisierung der Fauna im Saarland?

Auch die Fauna reagiert auf die klimatischen Abweichungen. Die meisten Tiere sind mobil (bspw. Schmetterling oder Vögel). Die Mobilität hängt stark von der Toleranz eines Organismus ab. Viele Arten sind sehr anpassungsfähig und können eine höhere Anzahl öko-logischer Nischen nutzen, wohingegen andere stark von unterschiedlichen Umweltfaktoren abhängig und folglich nur eingeschränkt mobil sind.Zunehmend treten anormale Verhaltensmuster auf, zum Beispiel bei der Amphibienwanderung. Zudem werden frühere Eiablagen und frühreife Larvenstadien beobachtet, was bei den Vögeln zu erheblichen Fütterungsdefiziten führen kann, wenn sich die Larven frühzeitig verpuppt haben. Darüber hinaus ist im Saarland in besonderem Maße das Einwandern fremder, wärmeliebender Arten zu beobachten. Viele Schmetterlingsarten wurden entdeckt, die entweder noch nie oder seit langer Zeit nicht mehr in der hiesigen Region heimisch waren. Auf Grund des Auftretens der zum Teil regionsfremden Tier- und Pflanzenarten sowie der höheren Temperaturen wird häufig von der "Mediterranisierung" des Saarlandes gesprochen.

Sollte diese Entwicklung anhalten oder wie prognostiziert stärker werden, sind weitreichende Folgen auch für den Menschen zu erwarten. Die Frage ist, wie wir mit dieser Entwicklung umgehen. Das Konsumverhalten der Gesellschaft ist ausschlaggebend, und der wichtigste Beitrag zum Klimaschutz ist eine bewusste und Ressourcen schonende Lebensweise.

Kontakt: Matthias Rupp, E-Mail: rupp.matthiasgmail.com

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