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Von Molchen, Fröschen, Kröten und Salamandern

Interessantes über Lurche

von Bernd Trockur, Scheuern
Quelle: nis 1/96, 13-15  

Quakende Frösche am Gartenteich oder Froschweiher, überfahrene Kröten und – wenn man nicht gerade in einer Innenstadt wohnt – Erdkröten im Garten oder auch schon mal im Keller. Das sind Gelegenheiten, bei denen man als „Normalsterblicher“ noch am ehesten mit der Tiergruppe der Amphibien (oder auch Lurche genannt) haben dürfte. Außer den grünen „Wasserfröschen“ sind Molche, Frösche und Kröten meist nachtaktiv und von daher auch gar nicht so leicht anzutreffen.


Im Saarland gibt es 18 Lurch-Arten, von denen genau die Hälfte selten und gefährdet ist und folglich auf der Roten Liste stehen.

Aber auch bei den übrigen Arten ist in den letzten Jahren ein Rückgang festzustellen. Amphibienarten stellen teils recht vielfältige Ansprüche an die räumlich meist weit auseinander liegenden Laichgewässer, Sommer- und Winterlebensräume. Auf Grund ihrer auf die „amphibische“ Lebensweise angepassten, feuchten Haut” sind sie zudem gegen Umweltschadstoffe recht empfindlich.

Laichplatzwanderung im zeitigen Frühjahr

An warmen Regenabenden im Februar, März und April wandern die geschlechtsreifen, paarungswilligen Männchen und Weibchen einiger Lurcharten zielgerichtet zu ihren Geburtsorten zurück. Vor allem Erdkröte und Grasfrosch zeichnen sich durch eine ausgeprägte und auffällige Laichplatzwanderung im zeitigen Frühjahr aus. Da die Tiere träge von der Winterruhe sind und keine Fluchtreaktion zeigen, werden sie auf der Wanderung häufig Opfer des Straßenverkehrs.

Aber auch im Sommer und vor allem wieder im Herbst, wenn dir Rückwanderung aus den Sommerlebensräumen in die Winterquartiere stattfindet, werden Amphibien auf den Strassen überfahren.

Daher sind Amphibienschutzzäune, die nur für wenige Wochen im Frühjahr aufgestellt werden, keine optimalen Maßnahmen. Hier helfen eigentlich nur richtige Amphibienschutzanlagen mit geeigneten Tunneln und Leiteinrichtungen, Straßensperren oder besser noch: Der Rückbau von Strassen an solchen Wanderstellen.

Nicht alle Schutzanlagen funktionieren

Im Saarland sind an mehreren Stellen mit Amphibienwanderungen dauerhafte Schutzanlagen eingebaut. Leider funktionieren diese nicht alle. Eine Anlage am Saar-Altarm bei Pachten wurde gar wieder abgebaut. Die Strasse wird jetzt mehrere Wochen gesperrt. An anderen Stellen betreuen freiwillige Helfer und NABU-Ortsgruppen periodische Schutzzäune. Ungezählte Stellen sind jedoch weiterhin für zahllose Lurche Todesstellen, weil die Kosten und der Betreuungsaufwand zu hoch sind bzw. die Wanderaktivität nicht (mehr?) hoch genug ist.

Froschregen wird immer seltener

Der Rückgang unserer Amphibienfauna liegt aber nicht nur im Verlust von geeigneten Laichgewässern und der Zerschneidung der Lebensräume. Intensiv genutzte Wiesen und Äcker bieten weniger Nahrung und Versteck als reichstrukturierte,  extensiv genutzte Landschaften. AN vielen Fundorten haben die Populationsgrößen daher auch wegen der amphibienunfreundlichen Umgebung abgenommen. Vom massenhaften Auszug der Jungkröten und –frösche aus ihrem Geburtsgewässer, wie er früher als „Froschregen“ bezeichnet wurde, hört man kaum noch. Mein letztes Froschregen-Erlebnis liegt auch schon einige Jahre zurück.

„Wasserfrosch-Komplex“: drei Arten

Hinter den Begriffen „Wasserfrösche“ oder auch „Grünfrösche“ verstecken sich eigentlich drei Arten: Der große „Seefrosch“, der „Kleine Wasserfrosch“ und der „Teichfrosch“. Die Arten sind gar nicht so leicht auseinander zu  halten, zumal der Teichfrosch als eine Mischung 
(ein Hybrid oder Bastard) zwischen dem Seefrosch und dem Kleinen Wasserfrosch anzusehen ist. Am ehesten kann man noch den reinrassigen Seefrosch durch seine Größe und sein lautstarkes und typisches Meckern ansprechen.

„Lurchi“ noch recht häufig

Der bis zu 20 cm große Feuersalamander ist wohl noch häufiger, als man bisher dachte. Er ist zwar mit seiner gelb-schwarzen Warnfärbung sehr auffällig, hat aber eine versteckte Lebensweise im Wals und wird deshalb gerne übersehen. Seine Larven lassen sich mit etwas Glück in sauberen Mittelgebirgsbächen finden.

Typische Bewohner der Lebensräume aus zweiter Hand wie Steinbrüche, Ton-, Sand- oder Kiesgruben sind fünf seltene Arten: Kreuz- und Wechselkröte sowie die Gelbbauchunke legen ihren Laich in absolute Kleinstgewässer wie Pfützen und Wagenspuren ab. Sie sind mit ihrer schnellen Larvenentwicklung und der relativ langen Laichzeit auf die Gefahr des Austrocknens speziell eingestellt. Geburtshelferkröte und Knoblauchkröte bevorzugen hingegen Kleingewässer, die nicht austrocknen. Ihre recht großen Larven überwintern meistens einmal im Laichgewässer.

Glockenfrosch nicht zu überhören

Besonders bemerkenswert sind die Lautäußerungen der paarungswilligen Männchen dieser Arten . Ein nächtliches Kreuzkrötenkonzert einer individuenstarken Population bleibt nicht nur wegen seiner Lautstärke ein unvergessliches Erlebnis. Auch das „Läuten“ der Geburtshelferkröte („Glockenfrosch“) bleibt wegen der täuschenden Ähnlichkeit mit kleinen Glöckchen in angenehmer Erinnerung.

Laubfrosch & Co schon verschwunden?

Auch der Laubfrosch bietet lautstarke Froschkonzerte, allerdings sind diese sehr selten geworden uns zumindest im Saarland nicht mehr zu hören. Der Laubfrosch ist und allen neben seiner namengebenden Grünfärbung als Wetterfrosch“ bekannt.

Auch Springfrosch und Moorfrosch, die beide sehr leicht mit dem noch relativ häufigen Grasfrosch verwechselt werden können, sind im Saarland extrem selten. Springfroschmeldungen aus dem Kreis St. Wendel beruhen möglicherweise auf solchen Bestimmungsfehlern. Nicht zu verwechseln sind Moorfrosch-Männchen während der Paarungszeit. Sie zeigen in diesen Wochen eine schöne Blaufärbung.

Bizarrer Rückenkamm als Hochzeitskleid

Auch das Kammmolch-Männchen zeigt in der Paarungszeit ein Hochzeitskleid: Einen bizarr aussehenden Rückenkamm. Kammmolche sind mit bis zu 15 cm deutlich größer als die drei anderen, 7 bis 10 cm großen Molcharten. Der Kammmolch ist recht selten, er besiedelt vegetationsreiche kleine Teiche, Weiher bzw. größere Tümpel. Bevorzugt werden dabei fischfreie Gewässer angenommen. Weit weniger Ansprüche an die Laichgewässer stellen Berg-, Teich- und Fadenmolch. Insbesondere der Bergmolch dürfte bereits nach kurzer Zeit an jedem neu angelegten Gartenteich auftauchen. Teichmolch und Bergmolch-Männchen zeigen in der Laichzeit eine schöne Zeichnung.