Nachrichten des NABU Saarland

NABU begrüßt Warnung der Ingenieurkammer vor Neubaugebieten

(SZ – Bericht vom 27. Oktober 2017)

In Deutschland werden ungebremst neue Freiflächen für Arbeiten, Wohnen und Mobilität überplant und zugebaut.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts haben sich die Siedlungs-, Gewerbe-, Industrie-, Sportanlagen- und Verkehrsflächen von 1992 bis 2015 von 40.305 auf 49.066 Hektar (ha) ausgedehnt. Damit ist die Siedlungs-, Gewerbe- und Verkehrsfläche in diesem Zeitraum um 8.761 Quadratkilometer (km²) bzw. 21,7 Prozent (%) angestiegen. Statistisch entspricht dies einem Zuwachs von durchschnittlich 104 ha oder etwas mehr als 1 km² pro Tag. Mit Blick auf die Teilflächen dehnte sich die Siedlungsfläche um 29,7 % und die Verkehrsfläche um 10,1 % aus.

Der Zuwachs der verbrauchten Flächen vollzog sich in weiten Teilen zu Lasten der landwirtschaftlich genutzten Fläche. Besonders betroffen sind Grünflächen wie Streuobstwiesen oder Weideflächen im Randbereich der Städte und Dörfer. Im Verdichtungsraum sind auch immer häufiger Wälder und Brachflächen betroffen. Natürliche Landschaftsstrukturen gehen durch kurzsichtig motivierte Begehrlichkeiten und politischem Leistungsstress in der Erschließungsplanung immer schneller verloren, so Rudi Reiter vom NABU-Landesvorstand.

Der Flächenverbrauch für Siedlungen und Verkehr hat Auswirkungen auf die Umwelt, Naturschutz und die Biodiversität.

Versiegelte Flächen schaden Böden, begünstigen Hochwasser und beseitigen Lebensraum für viele Organismen.Die Zersiedelung erzeugt zudem mehr Verkehr, Umweltbelastung und biologische Strukturverarmung. Jüngstes Beispiel sind die dramatischen Biomassenverluste bei den Insekten von bis zu 80 Prozent. Die Bundesregierung will den Flächenverbrauch bis 2020 auf 30 ha pro Tag und bis 2030 auf weniger als 30 ha pro Tag senken. Das integrierte Umweltprogramm des BMUB setzt für 2030 ein Ziel von 20 ha pro Tag.

Der NABU fordert die rasche Rückführung des Flächenverbrauches auf Nullwerte und verstärkte Renaturierung von überbauten Flächen als Ersatzbiotope für verloren gegangene Lebensräume.  Die übergeordnete Raumplanung muss die kommunalen Begehrlichkeiten in integrale zukunftsorientierte und naturschonende Flächenplanungen umlenken. Die Raumplanung muss dazu langfristige, gesetzlich verankerte Lenkungskonzepte - losgelöst von politischen Kurzzeitdenkmustern - entwerfen und umsetzen.

... weitere Informationen: https://www.nabu.de/news/2017/06/22630.html

Für Rückfragen: Rudi Reiter, stellvertretender Landesvorsitzender,
Tel. 0171 4940442