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Vortrag
Viezstrasse und Streuobstwanderweg - Eine Idee macht Schule
Alois Engeldinger, Saargau Tourist e.V.
I Vorbemerkung und Allgemeines
Die Landschaften in unserer Region sind in besonderer Weise durch den Obstanbau geprägt. Dabei spielt der Apfelbaum die dominante Rolle - nicht umsonst wird hier gerne von der "Äppelkeschd" gesprochen und
nicht von ungefähr rühmt sich ein Merziger Unternehmen als "Deutschlands feinster Saftladen". Der Merziger Süßmost, in seinem Gefolge die weiteren Obstsäfte, der hierzulande als "Viez"
beschriebene gegorene Apfelsaft und das nach ihm benannte Fest Anfang Oktober eines jeden Jahres, sind weit über die Grenzen des Landes bekannt. Wahrscheinlich geht der Name "Viez" auf die hierzulande
allgegenwärtigen Römer zurück. Es gibt jedoch auch andere Deutungen über den Namensursprung.
Es wäre vermessen, nur die nähere Umgebung Merzigs für diese Entwicklung verantwortlich zu machen. Wer die Kreisgrenzen in Richtung Saarlouis oder Trier, auch nach Luxemburg und das angrenzende Frankreich
überschreitet, wird vergleichbare Landstriche vorfinden. Selbst im klimatisch weniger begünstigten Hochwald ist der Obstanbau ein Teil des dem Auge gewohnten Landschaftsbildes.
Der Name "Äppelkeschd" ist weder eine amtliche noch eine kartographische Bezeichnung. Sie ist ein eher volkstümlicher Begriff, hervorgegangen aus einem gewissen Stolz der Region für das traditionell
Gewachsene. Geographische Grenzen abzustecken fällt noch schwerer als für den Begriff "Saargau". Während man den "Särkov" links des Merziger Beckens platzieren kann, reichen die Grenzen des
Saargaus von südlich der Kreisgrenze bis weit in den Saarburg-Konzer Raum - immer auf der linken Saarseite und oberhalb der Höhen zwischen Saar und Mosel bleibend. Die "Äppelkeschd" dagegen erschließt auch
die im engeren wie im weiteren Sinne rechts der Saar befindlichen Obstanbaugebiete Mit steigendem Wohlstand und neuen Verbraucher-Gewohnheiten erschien es zeitweise so als ob die Zeit des Viez und damit die Zeit
des Obstanbaus in unserer Region ihrem Ende zugingen. Verstärkt wird dieser Trend noch durch das "Hofsterben". Der in ganz Mitteleuropa zu beobachtende Rückgang der Zahl landwirtschaftlicher Neben- und
Haupterwerbsbetriebe hat auch Spuren in der Obstbau-Kulturlandschaft hinterlassen. Nicht wenige Streuobstwiesen wirken vernachlässigt, der landschaftsprägende Bestand an Hochbaumkulturen schrumpft zusehens, weil zu
wenige Neuanpflanzungen erfolgen.
II Apfelprodukte und Viez
Zedlers großes Universallexikon aus 1741 beschreibt den gegorenen Apfelsaft wie folgt: "POMACEUM, französisch Cidre, deutsch Aepfelmost, ist Aepfelsafft, der wie Wein geworden ist, nachdem er gegohren hat. Man
schreibt dessen Erfindung den Normännern oder Inwohnern der Normandie zu, welche wegen ihres kalten Climatis keinen Weinbau haben können, und da sie die Unkosten gescheuet, den Wein von weiten zu holen, aber doch
auch kein Wasser trincken wollen, auf diese Erfindung verfallen, daß sie Obstgärten angeleget, und die davon gesammlete Aepfel und Birnen, wann sie zu ihrer Zeitigung gelanget, gestampft und ausgepreßt, nachmahls
aber in die Fässer gefüllt und vergähren lassen... Die Aepfel müssen hart, frisch und safftig seyn, je süsser sie auch sind, je besser wird der Most davon... Von Holtzaepfeln wird auch Most gemacht, welcher weit
dauerhaffter seyn, und sich länger halten soll, als der von Garten-Aepfeln verfertigte. Dieses Geträncke wird heut zu Tage in der Schweitz und Franckreich, am häuffigsten aber in Engelland gemacht... Der Apfel-Most
ist gut für die Brüste, stärcket das Hertz, befeuchtet wohl und löschet den Durst, dienet wider die Schwermühtigkeit. Auf den Rest der ausgepreßten Aepfel schütten sie (...) Wasser, und lassens mit einander gähren,
machen davon noch eine Gattung Cidre, und nennen denselbigen petit Cidre (...) Der befeuchtet, erfrischet, löschet den Durst, noch besser als der erste, und machet gar nicht rauschig. Das ist der ordentliche Tranck
der Weiber, und wird den Patienten auch gegeben ..."
Die dem Viez zugesprochenen und tatsächlichen Eigenschaften werden bis in die Neuzeit überschwenglich gelobt. In einer Trierer Diplomarbeit aus diesem Jahrhundert wird geschrieben: "Es gibt nichts Besseres, um
in der Arbeit den Durst zu löschen, als eine reine, unverfälschte Porz Apfelwein, vulgo Viez. Dieser Trunk reinigt das Blut und alle Gänge des Körpers, übt eine wirksame Kraft gegen alle faulen Ablagerungen und
Mikrokokken im menschlichen Körper, wodurch die Vieztrinker durchschnittlich klare Ölköpfe haben und von Aussehen und Gestalt meist das Bild strotzender Gesundheit darbieten. (...) Der Viez spült jeden Tropfen
ungesunden Blutes hinweg und erhöht nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ die Zeugungsfähigkeit. Es werden unmittelbar durch denselben robuste Menschen und tüchtige Vaterlandsverteidiger, auch kräftige und
schlanke Mädchen mit rosiger Gesichtsfarbe geschaffen... (Klitta/Scholten, Trierer Viez, 1987)
Die Nomenklatur der Apfelprodukte ist fast so vielfältig wie die Sortenvielfalt der Bäume. An dieser Stelle sollen nur die in dieser Region gebräuchlisten Erwähnung finden: Unvergorener, naturreiner Apfelsaft wird
als "Süßmost" bezeichnet. Durchgegoren ist es der Viez. Weniger durchgegoren bzw. geschmacklich verfeinert gibt es ihn auch als "Süßer Viez" oder "fein-herb". Als "Alter
Särkover" (Merziger Fruchtgetränke GmbH) ähnelt er dem herb-säuerlichen, durchgegorenen Viez, wie er in den Fässern der heimischen Bauern lagert. Letztgenannter weist eine große Geschmacksvielfalt auf. Dies hat
viele Ursachen. Der Geschmack wird u.a. entscheidend verändert durch
- • die verwendeten Apfelsorten und den Anteil an Birnen
- • Reifegrad des Obstes und Zuckergehalt der Früchte,
- • der Sauberkeit beim Keltern (Anteil an angefaulten Früchten, Reinheit des Fasses usw.),
- • Umgebungstemperatur und Luftfeuchte des Faßlagers und
- • den Faßwerkstoff (Holz, Kunststoff oder Edelstahl).
Die Bauern nahmen zu früheren Zeiten gerne "gelängten" Viez (mit frischem Wasser verdünnt, heute "Viezschorle" genannt) zur Feldarbeit mit. Inzwischen sind weitere Viezprodukte auf dem Markt, z.B.
ein Apfelschaumwein, der den schönen Namen "Pommant" (Merziger Fruchtgetränke) oder "Äppelprickler" (Obstbau Jacoby) trägt und im Dialekt auch Appelschampes genannt wird, weil er nach der
Champagnermethode hergestellt wird.
Die bereits erwähnte große Anzahl von selbstvermarktenden Schnapsbrennern beschert der Region nicht nur edelste Obstdestillate (darunter Raritäten wie "Hundsärsch", s.o.) sondern auch eine exquisite Auswahl
von Likören. Von diesen sei nur der "Viezlikör" genannt, der sich binnen kurzem recht bekannt machen konnte.
Steht der Name "Viez" noch allein für unsere Region, so ist er als Apfelprodukt doch in weiten Teilen Europas zuhause: In Asturien und in den Bakischen Provinzen Spaniens ist er als Sidra bekannt, in der
Bretagne und Normandie als Cidre. Von dort aus gelangte er auch auf die britische Insel und ist dort in den Grafschaften Devon, Somerset und Herford als Cider erhältich.
III Die Idee "Viezstraße": Ein Verein bewegt eine Region
Für die Idee "Viezstrasse" beansprucht die Gründerin des Fremdenverkehrs- und Gewerbe-fördervereins SAARGAU-TOURIST e.V., Irmtraud Engeldinger, MdL, keine "Exclusiv-Rechte". Ihr steht jedoch das
Verdienst zu, von der Idee nicht nur gesprochen, sondern sie gemeinsam mit Gleichgesinnten in einen Verein eingebracht und umgesetzt zu haben Der Verein war es, der den Verlauf der Viezstrasse und Wanderwege
festlegte und kennzeichnete. Dabei erfolgte die Wegführung über Särkov und den Saargau so, dass möglichst viele am Wege liegende landwirtschaftliche Selbstvermarkter und Gastronomiebetriebe berührt werden.
Viele Aktionen wie z.B. die Durchführung des Eröffnungsfestes, später Saisoneröffnung jeweils Ende April, das "Äppelfechd" jeweils im Oktober, "Viezwochen" in der Gastronomie, öffentliche
Schnapsprämierungen und die Herausgabe einer eigenen Gästeinformation ("Äppelkeschd") usw. erfüllen die Viezstrasse mit Leben.
Die Strategie des Vereins beinhaltete von Beginn an viele Elemente, z.B. die Verwendung eines Logos, das mit seinen fröhlichen Farben gleichzeitig Apfel, Viezstrasse und Landschaft symbolisiert. Das Logo ist auf
einer Flagge an der Eingangsseite vieler Gasthäuser, Selbstvermarkter und sonstigen zur Idee Viezstrasse passenden Betriebe zu sehen. Die Viezstrasse selbst und die dazu gehörenden Wanderwege sind ebenso mit dem
Logo gekennzeichnet.
Die jeweiligen Aktionen werden hauptsächlich durch die beteiligten Betriebe, insbesondere landwirtschaftliche Selbstvermarkter, Brennereien, Gastbetriebe und Baumschulen, gestaltet. Der Verein ist Impulsgeber und
kümmert sich um die Koordination und die Werbung.
Natürlich spielt der Viez, das urtypische Getränk der Region, eine tragende Rolle - der von den "Profis" (Merziger Fruchtgetränke GmbH, Merzig und Väth, Losheim) und der von den heimischen
Selbstvermarktern. Aber das regionaltypische Angebot soll sich nicht darin erschöpfen. Der Viez soll der Appetitmacher sein auf all die anderen Attraktionen und kulinarischen Genüsse. "Landschaft muß
schmecken" war die Devise, unter der die erste "Viezwoche" stattfand.
Die Idee hat inzwischen Nachahmer gefunden. Als werbewirksam hierzu hat sich das Treffen aller Königinnen an der Viezstrasse gezeigt. Dazu muss man wissen, dass sich die Region durch das Vorhandensein zahlreicher
Königinnen auszeichnet. Die bedeutsamste ist unbestritten die Viezkönigin.
Im Jahre 2000 haben sich die Saargaudörfer der Verbandsgemeinden Saarburg und Konz an das Projekt Viezstrasse angeschlossen. Weiterhin liegt Interesse der Gemeinde Rehlingen-Siersburg und z.T. auch aus den Dörfern am
Streuobstwanderweg rechts der Saar vor. Wegen der bereits beschriebenen gemeinsamen Interessenlage erscheint dies durchaus sinnvoll, droht jedoch die Leistungsfähigkeit des ehrenamtlich geführten Vereins
SAARGAU-TOURIST e.V. zu sprengen. Hierzu bedarf es neuer Überlegungen.
Die möglichen Vorteile der "Viezstraße" erschöpfen sich jedoch nicht im Marketing für die heimischen Produkte. Mit der Aufwertung von Särkov und Saargau zur über die Grenzen hinaus bekannten
"Viezstrasse" führt der Verein SAARGAU-TOURIST e.V. eine umweltpolitisch relevante Absicht im Schilde, nämlich die Erhaltung der vorhandenen Streuobstwiesen als wertvolle Bestandteile des hiesigen
Landschaftsbildes und Vogelschutzes.
IV Die Streuobstwiese - ein wertvolles Stück Natur
Die Enstehung von Streuobstwiesen ist einer ganzen Reihe von Merkmalen zu verdanken: Recht früh schon erkannte man den wirtschaftlichen Doppelnutzen einer Fläche, die dem Nutzer die Früchte am Hochstamm lieferte und
außerdem dem Hausvieh Grünschnitt und Heu sicherte. Zudem brach ein Gürtel aus hochstämmugen Obstbäumen rundum die Wohnsiedlungen die Wucht von Stürmen und trug zum Schutz vor Unwettern bei. Der Streuobstanbau läßt
eine Bewirtschaftung auch auf Grenzertragsböden zu. Entgegen der "reinen Lehre" des Obstanbaus sind robuste Hochstammsorten durchaus auch mit den steinigen, schweren Kalklehmböden, wie er teilweise auf dem
Saargau vorzufinden ist, und den manchmal kalten Winden am Rande des Hochwaldes zufrieden.
Natürlich ist eine Streuobstwiese ein künstliches, vom Menschen geschaffenes und gepflegtes Stück Landschaft. Würde man eine Streuobstwiese nicht mehr mähen, keine Obstbäume mehr pflanzen und pflegen, würden diese
Flächen binnen weniger Jahre mit Hecken und Büschen zuwachsen und später evtl. verwalden. Kein Nachteil für die Natur? Im Prinzip ja - aber: Viele der hier heimisch gewordenen Vögel, Insekten usw. wären ohne die von
Menschenhand geschaffene, neue Kulturlandschaft nicht existenzfähig. Sie brauchen die freien Wiesenflächen genauso wie die knorrigen Obstbäume, die ihnen mit ihren Blüten, Früchten, in den Rinden, Ästen und Wurzeln
versteckten Beutetieren sowie dem Laubwerk Nahrung und Wohnung bieten.
Erst spät setzte sich das Bewußtsein durch, dass das künstliche, vom Menschen erschaffene Stück Natur für eine Vielzahl von Tier -und Pflanzenarten lebenswichtig ist. Werden Streuobstwiesen vernachlässigt, verbuschen
sie und Schmarotzergewächse machen sich auf den Bäumen breit. Über kurz oder lang ist ein anderes Stück Natur entstanden, das auf andere Weise wertvoll sein mag, jedoch als andersartiger Lebensraum nicht denselben
Tieren und Pflanzen Lebensraum bieten kann. Die bedeutende ökologische Funktion von Streuobstwiesen ist insoweit unbestritten.
Die mangelnde Wirtschaftlichkeit des Obstanbaus an Hochstämmen verhinderte die Schaffung von Ersatzflächen. Die Obstverwerter, hier insbesondere die weit über die Grenzen der Region operierende Merziger
Fruchtgetränke GmbH und mit ihr auch die Obstbauern, befinden sich in einem gnadenlosen globalen Wettbewerb. Billigangebote für eingedickte Obstsäfte kommen aus ganz Europa - wer konkurrenzfähig bleiben will, kann
den hiesigen Obstlieferanten kein der Leistung adäquates Angebot machen. Für sie gelten die gleichen Gesetze, die allgemein in der Landwirtschaft zu Preisverfall und mangelnder wirtschaftlicher Attraktivität
führten. Die Preise für Fallobst haben daher mit der übrigen Lohn- und Preisentwicklung nicht Schritt halten können. Rationelleren Methoden sind Grenzen gesetzt: Dem verstärkten Einsatz von Maschinen stehen hohe
Beschaffungskosten und eingeschränkte Einsatzmöglichkeiten, z.B. bei den häufig anzutreffenden Hanglagen, entgegen.
In den letzten 20 Jahren hat sich der Streuobstbestand im Saarland um ein 1/3 reduziert, dies entspricht etwa dem Rückgang von 100.000 Bäumen. Als Gegenmaßnahmen wurden und werden von den Landkreisen - auch in
Merzig-Wadern - Anpflanzungszuschüsse gewährt. Ein dafür beim Landkreis eingestellter Fachmann berät u.a. die Obst- und Gartenbauvereine und vermittelt in Lehrgängen Grundwissen über Obstkultur. Zu bestimmten
Anlässen wurden durch öffentliche Stellen Jungbäume kostenlos weitergegeben, um damit die Bestände zu verjüngen. Insbesondere anlässlich von Flurbereinigungsverfahren jüngeren Datums wurden Obstbäume zur Verfügung
gestellt und damit die Sünden der Vorjahre ein Stück weit getilgt. Darüber hinaus wurden Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen mit dem Ziel gegründet, alternde Baumbestände durch Verjüngungsschnitt und allgemeine
Pflegemaßnahmen in Ordnung zu bringen und damit dem Verfall entgegen zu wirken.
In der jüngsten Zeit wurde der Wert der Streuobstwiesen für einen anderen wirtschaftlichen Zweck neu entdeckt: Auf der Suche nach "Alleinstellungsmerkmalen" für die touristische Entwicklung des Landkreises
gewinnt ihr ästhetischer Reiz an Wert. Es scheint, dass die Streuobstwiesen, neben der Tatsache, dass der Landkreis im Dreiländereck zu Luxemburg und Frankreich liegt, eine gewichtige Rolle spielen.
Der Streuobstwanderweg
Den Streuobstwanderweg kann man in Etappen auf einem ca. 110 km langen Weg zwischen Wadern-Kostenbach im sogenannten "Schwarzwälder Hochwald" und Perl-Nennig an der oberen Mosel erwandern. Er ist in
besonderer Weise dazu geeignet, die ganze Palette der Streuobstwiesen im Landkreis kennen zu lernen - vom Übergang zwischen Hochwald und Hochwald-Ackerbau bis zum Übergang vom Saargau zu den Weinreben bestandenen
Hängen der Mosel. Er orientiert sich dabei nicht nur an den schönsten Streuobstbeständen sondern auch an landschaftlichen und kulturellen Sehenswürdigkeiten der Region und ist damit für Urlaub suchende wie für die
Naherholung in besonderer Weise geeignet. Die Anregung hierzu kam zunächst von Landesseite: Der Streuobstwanderweg soll das ganze Land erschließen; Merzig-Wadern war der erste Landkreis, der die Idee, dank des
Engagements des zu dieser Zeit ehrenamtlichen Geschäftsführers der BeQu, Hans Krämer, konsequent umsetzte.
Bestandteil des Streuobstwanderweges ist auch der eigens dafür eingerichtete Streuobstlehrpfad "Hohe Berg" bei Merzig (seit 1998). Hier kann man sich in Form eines Rundwanderweges auf Informationstafeln zum
Thema Streuobst informieren. Außerdem hat man einen besonders schönen Ausblick über das Merziger Becken. Auf der Wanderung über die Streuobstwiesen links der Saar trifft man auch auf die Ausschilderung der
Viezstraße, deren ebenfalls beschilderte Wanderwege rechts und links der Strasse ein noch intensiveres Erleben der Region vermittelt.
Schlussbemerkung und Ausblick:
Wer, ob aus Gründen des Umwelt- und Naturschutzes, des Fremdenverkehrs oder aus wirtschaftlichen Gründen, unsere landschaftsprägenden Streuobstwiesen erhalten will, darf dem mancherorts erschreckend schnellen Verfall
nicht länger tatenlos zusehen. Es bedarf neuer Überlegungen, Anreize zu Neuanpflanzungen und vor allem zur Pflege vorhandener Bestände zu geben. Dies erscheint nur durch ein ganzes Bündel von Maßnahmen möglich, an
dem sich Kreis und Gemeinden, die Aktiven in Umwelt- und Naturschutz, Tourismus sowie die Obstverwerter und Obstanbauer beteiligen. Die bisher vorhandene Förderung hat sich, die Statistiken belegen dies, als
unzureichend erwiesen.
Es fehlt zunächst an einem angemessenen privaten Engagement. Dies beginnt beim Blick auf die Speise- und Getränkekarten vieler Restaurants, denen es oft an einem unverwechselbaren, klareren Bekenntnis zur Region
mangelt und es fehlt an "Besen- bzw. Straußwirtschaften", wie sie in touristisch erfahreneren Regionen zu finden sind. Sie würden - neben der Möglichkeit der Vermarktung selbst hergestellten Viezes (der
Verkauf nicht selbst hergestellter Produkte wie z.B. Bier ist hier gesetzlich untersagt) - eine touristisch empfindliche Lücke schließen: An Sonntagen zwischen 14 und 17 Uhr sind die (Rad-)Wanderer rechts und links
der Viezstrasse unterwegs, jedoch die Gasthäuser meist geschlossen.
Darüber hinaus bedarf es eines klareren Bekenntnisses der öffentlichen Hand zum Zusammenhang zwischen der weiteren Entwicklung des Fremdenverkehrs und dem Alleinstellungsmerkmal "Viez". Die Förderung und
damit Erhaltung der überlieferten Obstweinkultur kann einen wichtigen Baustein in der Entwicklung zur Fremdenverkehrs-Region und zur unverwechselbaren Identität darstellen. Einige wenige Verantwortliche haben diese
Chance erkannt und handeln danach: siehe die an der Autobahn A 8 aufgestellten Hinweistafeln "Merzig Viezregion - Region du Cidre" (Merzigs OB Dr. Lauer), die Ausweisung der Viezstrasse mit begleitenden
Aktionen (Irmtraud Engeldinger, MdL) sowie die Schaffung des Streuobstwanderweges (BeQu des Landkreises)
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