Brutansiedelung der Flussseeschwalbe im Moseltal bei Nennig Brutfloßspender gesucht!

In den letzten Jahren hat die Brutverbreitung der Flussseeschwalbe im Moseltal kontinuierlich zugenommen. Ausgehend von Brutvorkommen am Oberlauf der Mosel in Lothringen erschloss sich diese Art seit den 1980er Jahren immer mehr Gebiete und näherte sich der Grenzregion an. So kam es 2014 zu einem erfolglosen Brutversuch der Art, auf einem alten Brutfloß, im Baggerweihergebiet Remerschen (Luxemburg).
Mitarbeiter von natur&ëmwelt sowie der Naturverwaltung (ANF) bauten weitere künstliche Brutflöße, um den Tieren das Ansiedeln zu erleichtern. Eines davon wurde bereits 2015 angenommen, sodass es die erste erfolgreiche Brut der Flussseeschwalbe in Luxemburg zu verzeichnen gab. 2016 waren es bereits drei Brutpaare. Auch auf deutscher Seite der Mosel wurden die Vögel alltäglich bei ihren Nahrungsflügen beobachtet, so dass alles darauf hindeutete, dass sich eine stabile
Population im Dreiländereck etablieren kann.
Es kam 2016 dann im Saarland zu einem missglückten Brutversuch auf einem, durch die unwetterartigen Regenfälle im Mai und Juni überschwemmten Maisacker im Umfeld des Baggerweihergebietes Nennig. Nachdem die Fläche aber später trocken fiel, wurde die Nistmulde offenbar anfällig für Prädatoren, und das Brutpaar gab das Nest auf. Dennoch zeigte die Ansiedelung, dass der hohe Populationsdruck der Flussseeschwalbe auf einen Mangel an Brutplätzen in der Region trifft.
So wurde im Winter 2016/2017 ein Projekt zum Bau von Brutflößen im Baggerweihergebiet Nennig geplant. Ein erstes Experiment mit zwei Flößen wurde durch das von Rolf Klein und Fabian Feß geleitete Planungsbüro MILVUS GmbH finanziert und umgesetzt, das auch gleichzeitig das Monitoring der Art ehrenamtlich übernahm.
Am 21.04.2017 wurden die beiden ca. 2,5 x 2,5 Meter großen, schwimmenden Plattformen im zentralen Weihergebiet ausgebracht und verankert. Nur wenige Tage später, am 25.04.2017, wurden bereits die ersten Seeschwalben balzend auf einem der Flöße festgestellt, ein zweites Paar wurde am 05.05. bei Balzaktivitäten am anderen Floß beobachtet. Nach einer weiteren Woche brütete ein Altvogel ab dem 12.05. nun endgültig auf einem der Flöße, ab 16.05. dann auch auf dem anderen Floß. Ab 13.05. wurden außerdem noch erst ein, dann ab 16.05. sogar zwei weitere Paare an einem Weiher im aktiven Abbau gesichtet, die sich einige durch Wasserstands-Absenkung entstandene Kiesinseln als Brutplatz auserkoren hatten und im Falle eines Paares auch ab 16.05. brüteten.
Doch mit der ersten Hitzewelle Ende Mai kamen wieder zahlreiche Badegäste in das Weihergebiet, so auch an die Weiher mit Flussseeschwalben. Der enormen Störung durch den Badebetrieb fielen unmittelbar auch die Bruten an diesem Brutplatz zum Opfer. An den darauffolgenden Wochenenden zeigte sich ein ähnliches Bild, auch in der Umgebung der künstlichen Flöße. Nachdem zunächst Lothar Hayo, Rudi Reiter und Rolf Klein versuchten, durch eigenes Eingreifen einen
Totalverlust zu verhindern, wurde schnell auch die saarländische Naturwacht eingeschaltet. Erst durch deren regelmäßige Kontrollen und Platzverweise im Weihergebiet ab Anfang Juni konnte dann glücklicherweise weiterer Schaden abgewendet werden.
Die gescheiterten Bruten auf den „natürlichen“ Kiesinseln zeigen aber auch eine grundlegende Problematik im Kiesweihergebiet Nennig auf: Solange der immer stärker werdende illegale Badebetrieb unkontrolliert und ungestört auf die sensiblen Brutvögel des Biotops trifft, ist das Schutzgebiet teilweise entwertet. Wir hoffen diesbezüglich auch in Zukunft auf die Unterstützung der Naturwacht in den Sommermonaten, um eine ähnliche Situation in den nächsten Jahren zu verhindern.
Die beiden verbliebenen Paare auf den Flößen konnten aber erfolgreich ihre Gelege bebrüten. Ab 29.05. wurden dann auch 2 (später 3) Jungvögel beim ersten Brutpaar beobachtet, ab 04.06. auch ein Junges (später 2) auf dem anderen Floß. Diese nutzten insbesondere die Hohlräume unter den Ziegeln und Tontöpfen als Verstecke. Somit erblickten insgesamt fünf Küken das saarländische Licht der Welt.

Alle 5 Pulli (Pullus – frisch geschlüpfter Vogel) wurden am 06.06. durch Rolf Klein am Nest beringt. Schon wenige Minuten nach der Beringung fütterten die Altvögel wieder. Die Beringung stellt einen wichtigen Teil zur wissenschaftlichen Erforschung dieser Ansiedlung dar. Nur selten hat man die Möglichkeit eine Ansiedlung einer Brutvogelart so detailliert zu begleiten wie in diesem Fall. Alle fünf Jungen wurden daraufhin noch bis 21.06. festgestellt, bis dann die ersten beiden Jungvögel am 24.06. umherflogen. Die letzte Beobachtung eines Jungvogels am Nest erfolgte am 30.06.

Konstruktion der Brutflöße

Rolf Klein begutachtet ein Brutfloß.
Rolf Klein begutachtet ein Brutfloß.

Die Brutflöße haben eine Größe von 2,5 x 2,5 Metern. Die Unterkonstruktion besteht aus Holz, der Schwimmkörper aus Styrodur (10 cm Dicke). Über dieses wurde dann Kies ausgebracht und verschiedene Unterschlupfmöglichkeiten aus Ziegeln geschaffen. Hier können sich die Küken vor potenziellen Feinden und schlechten Wetterbedingungen schützen. Um ein Ansiedeln durch andere Arten zu verhindern, wurde ein Drahtgeflecht um das gesamte Floß gespannt. So können nur die Elterntiere ihre Jungen erreichen bzw. die Jungtiere im entsprechenden Alter den Zaun überfliegen. Für den Fall, dass die Jungtiere das Floß verlassen und nicht mehr über den Zaun auf das Floß gelangen, wurden Schwimminseln (ebenfalls Styrodur) angebracht. Durch einen befestigen Anker bleibt die ganze Konstruktion an Ort und Stelle und kann ihre Position nicht ändern.

Um Spenden wird gebeten

Das Beispiel der Flussseeschwalbe zeigt, wie man mit etwas Unterstützung eine Art als Brutvogel im Saarland etablieren kann. Da Flussseeschwalben Koloniebrüter sind und Luxemburg gezeigt hat, dass das Ausbringen weiterer Flöße zur Ansiedlung weiterer Brutpaare führt, wird auch für Nennig geplant, weitere Brutflöße auszubringen. Um die doch hohen Kosten der Baumaßnahmen von ca. 750 Euro pro Floß (Material, Bau, Transport, Ausbringung etc.) zu finanzieren, bitten
wir Sie um Spenden unter dem Stichwort „Flussseeschwalbe“ (Kontodaten siehe Fuss der Seite).
Unterstützen Sie eine stark gefährdete Vogelart Deutschlands und seien Sie ein aktiver Teil dieser Brutansiedlung im Saarland!
Gerne laden wir alle Spender ein, sich das Projekt auch vor Ort anzuschauen.
Rolf Klein, Rehlingen/Siersburg