60 Jahre NABU im Saarland

Vom „Bund für Vogelschutz” über DBV zum NABU

Die Gründungszeit des NABU Saarland war noch vom zweiten Weltkrieg geprägt in einer großen Aufbruchstimmung um die Kriegsfolgen zu überwinden. Die Alltagssorgen ließen kaum Spielraum für Naturschutz. Kleinbäuerliche Tierhaltung zur Selbstversorgung prägte Dörfer und Landschaften während Bergbau und Schwerindustrie Umweltbelastungen in einem heute kaum vorstellbarem Ausmaß verursachten.
Verändertes Konsumverhalten in der Folge von langsam ansteigendem Wohlstand setzte einen bis heute anhaltenden Intensivierungsprozess in der Landwirtschaft in Gang, der von einer langsam beginnenden Globalisierung noch verschärft wurde. Umweltschutz kam erst zwanzig Jahre später langsam in die Gänge. Es kam damals noch häufig vor, dass Bergleute an der sogenannten Staublunge schon mit 55 Jahren verstarben. Die Flüsse im Einzugsgebiet der Schwerindustrie wurden bald zur Giftbrühe und die Abschaffung des Plumpsklos im Garten machte die meisten Bäche zu Kloaken.
Vogelfreunde gründeten erneut den Bund für Vogelschutz,  der bereits vor dem Zweiten Weltkrieg existiert hatte. Zwei sibirische Winter, 1955 und 1962, in kurzer Folge dezimierten damals viele Vogelarten, was auch zu einem Motivierungsschub geführt haben dürfte. Ludwig Schwarzenberg berichtete, dass 1963 der Eisvogel und die Schleiereule nahezu ausgestorben waren.
Mehrere Paradigmenwechsel veränderten in den sechzig Jahren den NABU. Viele Traditionsanhänger wollten den Wandel vom DBV zu einem breit aufgestellten NABU nicht akzeptieren. Ein schwieriger Diskussionsprozess begleitete diesen Richtungswechsel.
Für ökosystemare Prozesse sind sechzig Jahre nur ein Wimpernschlag und trotzdem hat es der Mensch geschafft in diesem historisch kurzen Zeitrahmen gewaltige Naturzerstörungen in Gang zu setzen. Umweltverbände müssen sich den veränderten Rahmenbedingen anpassen können, um ihre Ziele wirksam zu realisieren. Nostalgisches Festhalten an der Vergangenheit ist in der Gegenwart nicht zielführend. Der falsch gedeutete Begriff „Ökologie“ und die sektiererhafte Anwendung führen in der Gegenwart zu Missverständnissen im Naturgeschehen, wodurch sinnvolle Naturschutzstrategien verhindert und erschwert werden. Zielsetzungen im Naturschutz müssen sich am Prinzip dynamischer Prozesse orientieren und evolutionäre Veränderungen zulassen.
60 Jahre sind kein großer runder Geburtstag, da haben fünfzig und hundert Jahre schon eine größere emotionale Bedeutung. Es lohnt sich aber trotzdem, Ziele und Standpunkte zu überdenken, Strategien zu hinterfragen, um die bisherigen Erfolge und Misserfolge zu beleuchten und aus dem Ergebnis erfolgversprechende Naturschutzstrategien zu entwickeln. Gerade weil in diesen sechzig Jahren viele gute Ideen gescheitert sind, müssen neue Wege beschritten werden. Die größte Herausforderung der Gegenwart ist der Klimawandel und wird es lange bleiben. Verleugnen dient da nur der eigenen Gewissensberuhigung. Möglicherweise wird der Mensch an dieser Herausforderung scheitern. Rudi Reiter, Beckingen

... einige Eindrücke mit alten Dokumenten aus 60 Jahre NABU im Saarland als PDF

Vogelfütterung
Trotz harter Nachkriegszeit denken die Aktivisten an hungernde Vögel
Werner Martin und Lothar Hayo
DBV-Landesvorstitzender Werner Martin und Lothar Hayo bei einem Ortstermin am Kraftwerk Ensdorf (Etwa 1980) Foto: Wilhelm Irsch
Werner Martin
Werner Martin, die Vaterfigur der 1970er Jahre
Protestveranstaltung
Protestveranstaltung Ende der 1980er Jahre: In der Mitte Eckehardt Gercke und der damalige Umweltminister Jo Leinen
Stefan Mörsdorf
Erste Zeltlager organisiert von Stefan Mörsdorf
Stefan Mörsdorf
Stefan Mörsdorf und damaliger NABU Präsident Jochen Flaßbart bei der Eröffnung der LGS am Wildpark Rappweiler

Die 60 Jahre im Stichworten

1955

Gründerzeit: Aktive organisieren die Winterfütterung.
Vorsitz in den 50er und 60er: August Cieslik, Dr. August Kleine, Dr. Heinz Dützmann und Peter Mechenbier

1957

Erster dokumentierter Mitgliedsausweis

1967

Werner Martin übernimmt den Vorsitz und prägt für fast 20 Jahre den DBV.

1971

Erster Rundbrief

1974

Schwalbenrettungsaktion:
Tausende vom Winter überraschte Schwalben werden eingesammelt und in den Süden geflogen. Und kommen ein Jahr später gesund zurück.

Ende der 70er

Neuer Schwerpunkt: Biotopschutz

1981

Erste DBV-Arbeitsgruppe: Die Eulen-AG

1983

Die erste "nis"

1985

Stabwechsel Werner Martin an Eckehardt Gercke

1986

Saarausbau:
“Retten, was noch zu retten ist!”

1988

Großer Flächenkauf in der Wadrill-Aue

1990 bis 1996

Kampagne “Lust auf Natur”

1990

Mitgliederzahl: 2600
Stefan Mörsdorf wird Vorsitzender.
DBV wird NABU.
Die NAJU startet durch.

1991

Start der Mitgliederwerbung

1994

Biberansiedlung, am 9. Dezember werden die ersten Biber an der Ill bei Illingen ausgesetzt. Es folgen insgesamt 70 Elbebiber. 2015 leben circa 600 Biber im Saarland

1995

Urwald-Idee für Steinbach- und Netzbachtal

1998

Erlebniswald Rappweiler

1999

Stabwechsel von Stefan Mörsdorf an Ludger Wolff

2000:

NABU-Landesvorsitz: Ulrich Heintz
Zum Millienium: 13700 Mitglieder

2001

Landesgeschäftsstelle zieht nach Lebach-Niedersaubach.
Es gab immer schon Zeltlager für Kinder und Jugendliche bei NABU. Seid 2000 gibt es die Kinderferienprogramme in der Scheune Neuhaus und auf Hofgut Imsbach

2002:

NABU-Sonnenliste für FFH-Gebiete

2004

Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert den "Urwald vor den Toren der Stadt".

2005

11600 Mitglieder
NABU-Stiftung Saarländisches Naturerbe wird gegründet.

2006

Ökoseeprojekt Dillingen: Große Umstrukturierung mit schwerem technischem Equipment der Insel im See; mehrere Großeinsätze folgen.

2008

In der Beringungsstation Mittleres Saartal werden jährlich bis zu 10 000 Vögel beringt.
Wechsel in der Landesgeschäftsstelle: Wega Kling wird nach 18 Jahren verabschiedet – Wendelin Schmitt beginnt seine Arbeit.

2010

NABU-Naturgarten im Park der Vierjahreszeiten am Stausee Losheim wird eröffnet.
Stiftung saarländisches Naturerbe erwirbt die erste Fläche in der Moselaue.

2012

„Hofgut Imsbach“ als Demonstrationsjagdrevier.
BBV-Projekt „Breitblättriges Knabenkraut”

2013

BBV-Projekt „Wertvoller Wald”

2014

Ende des Jahres rund 18 000 Mitglieder